Oettingen (heja) - Heute setzen wir unsere RN-Serie zum Thema „Schlaf“ fort. Seit einem Jahr gibt es an der Donau-Ries-Klinik Oettingen ein Schlaflabor. Über die häufigsten Schlafstörungen und andere Phänomene des Schlafes sprachen wir mit dem Leiter des Schlaflabors, Oberarzt Dr. Horst Wittstruck.
Im heutigen Teil geht es um die Schlafapnoe. Eine Schlafstörung, die verbunden ist mit vorübergehenden Atemstillständen während des Schlafs. Mittlerweile ist das so häufig wie Diabetes.
RN: Schnarchen ist meistens harmlos. Aber es könnte auch ein Hinweis auf eine lebensbedrohliche Krankheit, die Schlafapnoe, sein. Wann sollten Schnarcher sich untersuchen lassen?
Wittstruck: Ein Schnarcher sollte sich dann untersuchen lassen, wenn er laut und unregelmäßig schnarcht oder wenn zum Schnarchen auch Atemaussetzer beobachtet werden. Darüber hinaus ist ärztliche Untersuchung angezeigt, wenn zusätzliche Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen vorliegen, wie zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck. Untersuchen lassen sollte man sich natürlich auch, wenn das Schnarchen mit einem nicht erholsamen Schlaf oder vermehrter Tagesmüdigkeit einhergeht.
RN: Schnarchen und Atemaussetzer während des Schlafes, das deutet also auf eine Schlafapnoe hin. Was genau geschieht eigentlich bei der Schlafapnoe?
Wittstruck: Es gibt unterschiedliche Formen der Schlafapnoe. Am häufigsten ist die sogenannte obstruktive Schlafapnoe. Hier kommt es zu immer wiederkehrenden Verschlüssen der Atemwege durch Erschlaffung der Schlundmuskulatur und somit zu einem Atemstillstand. Dieser kann bis zu einer Minute und länger anhalten. Es kommt hierbei zu einem Abfall des Sauerstoffgehaltes im Blut und zu einem Anstieg von Kohlendioxid. Darüber hinaus ist dieser Zustand mit einer vermehrten Atemanstrengung verbunden. Letztlich wird dieser Atemstillstand irgendwann unterbrochen und die Atemwege öffnen sich wieder. Allerdings geht dies auf Kosten eines erholsamen Schlafes, führt somit zu einer erheblichen Tagesmüdigkeit. Durch Ausschüttung von Stresshormonen können Herz und Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen werden. Folgeerkrankungen der obstruktiven Schlafapnoe können erhöhter Blutdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall sein.
RN: Welche Form der Schlafapnoe gibt es noch?
Wittstruck: Eine andere Form ist die zentrale Schlafapnoe. Häufig sind hiervon Patienten mit Herzschwäche oder Schlaganfällen betroffen. Die Atemstillstände liegen in diesem Fall in einer Fehlregulation im Atemzentrum begründet. Diese sind in der Regel nicht mit einer vermehrten Atemanstrengung verbunden, können aber den Schlaf ebenfalls empfindlich stören.
RN: Kann man der Schlafapnoe vorbeugen?
Wittstruck: Häufigste Ursache der obstruktiven Schlafapnoe ist das Übergewicht. Hier können natürlich die Patienten vorbeugen. Allerdings ist auch ein nicht unerheblicher Anteil schlanker Personen von der Schlafapnoe betroffen. Hier spielen unter Umständen anatomische Ursachen eine Rolle. Vorbeugemaßnahmen gibt es hier naturgemäß nicht.
Überdruck wird erzeugt
RN: Wie wird die Schlafapnoe behandelt?
Wittstruck: Goldstandard für die Behandlung von Schlafapnoe ist die Überdrucktherapie, meist in Form der CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) mittels Atemmasken. Dabei wird durch Überdruck der Schlund im Schlaf offen gehalten, sodass eine ungehinderte Atmung möglich ist. Wichtig ist natürlich auch eine Gewichtsreduktion, daneben gibt es für leichtere Fälle Schnarchschienen. Tritt eine leichte Schlafapnoe vorwiegend in Rückenlage auf, so kann auch durch Rückenlagevermeidungswesten Abhilfe geschaffen werden. In seltenen Fällen wie bei Unterkieferrückverlagerungen können auch operative Maßnahmen indiziert sein. Bei Kindern, die auch unter Schlafapnoe leiden können, sind vergrößerte Mandeln oder Polypen im Nasen-Rachen-Raum eine häufige Ursache. Hier ist in der Regel eine Operation angezeigt.
RN: Welche Therapie kommt vor allem in Oettingen zur Anwendung?
Wittstruck: Im Schlaflabor der Klinik Oettingen werden überwiegend Patienten mit der obstruktiven Schlafapnoe behandelt, am häufigsten mit der Überdrucktherapie. Zuvor werden die Befunde ausführlich besprochen und die Patienten beraten, auch in Bezug auf die bereits erwähnte Einhaltung der Schlafhygiene. Nach Einstellung auf eine Überdrucktherapie werden die Patienten unter anderem mit dem Umgang des Gerätes vertraut gemacht. Daneben können sich die Patienten auch jederzeit telefonisch bei Schwierigkeiten während der Behandlung an uns wenden.
RN: Was kann der gesunde Schnarcher gegen die nächtliche Ruhestörung tun?
Wittstruck: Liegt einfaches Schnarchen vor, so können das bereits erwähnte Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und Schnarchschienen hilfreich sein. Auch hier gilt, dass abendlicher Alkoholgenuss nach Möglichkeit vermieden werden sollte, da Alkohol zu einer Erschlaffung der Schlundmuskulatur führt und dadurch das Schnarchen begünstigt werden kann.
Auch die Beseitigung einer behinderten Nasenatmung kann in vielen Fällen Abhilfe schaffen. Hier kann die Vorstellung beim HNO-Arzt hilfreich sein.
So geht es weiter: Schon einmal etwas von der Schlafkrankheit oder Schlummersucht gehört? Im nächsten Teil unserer Serie über den Schlaf erklärt der Oettinger Somnologe Wittstruck, was man unter Narkolepsie versteht und wie diese behandelt wird.