Die Fußchirurgie ist ein spezialisiertes Teilgebiet der operativen Orthopädie. Die Fußchirurgie umfasst die Diagnostik und Therapie von angeborenen und erworbenen Funktionsstörungen sowie entzündlichen und nichtentzündlichen Erkrankungen des Fußes und des Sprunggelenks.

 Unser Behandlungsspektrum

 

Erläuterungen zu den Krankheitsbildern

Hallux valgus  (= Ballenfuß, Frostballen, Ballenzeh)

Der Hallux valgus ist die häufigste und bedeutsamste Fehlstellung im Vorfußbereich.

Die Erkrankung wird durch verschiedene Komponenten beeinflusst. Das häufige Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen und spitzer, schmaler Zehenkappe sowie die Wahl der zu kleinen Schuhgröße ist neben familiärer Veranlagung die Hauptursache für den Hallux valgus.

Der Hallux valgus  ist charakterisiert durch eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen und einer Drehung der Zehe nach innen (Innenrotation).

Besteht die Fehlstellung lange und nimmt im Verlauf zu, so treten meist begleitende Probleme auf, wie Fehlstellungen der übrigen Zehen (Hammerzehen, Krallenzehen) und Schmerzen unter den Mittelfußköpfchen (Metatarsalgie).

Die ersten Beschwerden treten in aller Regel über dem Ballen der Großzehe auf. Dieser Großzehenballen wird medizinisch als Pseudoexostose bezeichnet. An dieser Stelle ist der Fuß am breitesten, dementsprechend drücken Schuhe hier am stärksten. Es kommt zu mechanischen Belastungen der Haut und des darunterliegenden Schleimbeutels.

Zur genauen Beurteilung der knöchernen Fehlstellung wird eine Röntgenaufnahme des betroffenen Fußes im Stehen in zwei Ebenen angefertigt.

Therapie des Hallux valgus

Mit konservativer Therapie, d.h. ohne Operation, können gering ausgeprägte Fehlstellungen behandelt werden. Hierzu ist Krankengymnastik und das Tragen von speziellen Bandagen oder Schienen  notwendig.

Sollte die konservative Therapie ausgeschöpft sein besteht die Möglichkeit der  operativen Therapie.

Allen Operationsmethoden ist gemeinsam, dass damit die Fehlstellung des ersten Strahles korrigiert wird. Bei uns werden dafür etablierte Verfahren je nach Schweregrad  der Fehlstellung angewendet, z.B.  Chevron-, Scarf- und Doppelosteotomie am Mittelfußknochen sowie die Akin-Osteotomie am Großzehengrundglied. Begleitet werden diese knöchernen Operationen von den notwendigen Eingriffen an den Weichteilen.

Chevron-Osteotomie:
 Diese OP-Methode kommt bei leichteren bis mittelschweren Formen des Hallux valgus zur Anwendung. Neben der Exostosenabtragung wird eine V-förmige Osteotomie (Knochendurchtrennung) und drei-dimensionale Umstellung des ersten Mittelfußknochens durchgeführt.

Die Nachbehandlung erfolgt im Entlastungsschuh für 6 Wochen.

Scarf-Osteotomie:

Diese OP-Methode kommt bei mittelschweren Formen des Hallux valgus zur Anwendung. Neben der Exostosenabtragung wird eine Z-förmige longitudinale Osteotomie (Knochendurchtrennung) und drei-dimensionale Umstellung des ersten Mittelfußknochens durchgeführt.

Die Nachbehandlung erfolgt im Entlastungsschuh für 6 Wochen.

Doppelosteotomie:

Diese OP-Methode kommt bei schwereren Formen des Hallux valgus zur Anwendung. Neben der basisnahen Open-Wedge-Osteotomie (Teildurchtrennung des ersten Mittelfußknochens und keilförmige Aufspreizung sowie Fixation mit spezieller Platte) wird distal eine V-förmige Osteotomie durchgeführt.

Die Nachbehandlung erfolgt im Entlastungsschuh für 6 Wochen.

Hallux valgus bei Spreizfuß mit instabilem Tarsometatarsalgelenk 1 (TMT1) Wenn die Spreizfußdeformität mit Hallux valgus auch eine Instabilität des TMT1-

Gelenks zwischen Mittelfuß und Fußwurzel aufweist, ist eine Versteifung erforderlich. Diese auch Lapidus-Arthrodese genannte Versteifung erlaubt eine Korrektur des Längs- und Quergewölbes und verhindert meist nachhaltig die Entstehung eines Hallux-valgus-Rezidives. Zur Osteosynthese werden winkelstabile Plättchen oder Zugschrauben eingesetzt. Für den Patienten ist die Versteifung funktionell nicht relevant. Im Gegenteil führt die Wiederherstellung eines stabilen Längsgewölbes zu einem insgesamt stabileren Stand im Fuß.

Hallux rigidus
Der Hallux rigidus bezeichnet  die Arthrose im Großzehengrundgelenk mit einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung.
Es gibt die Möglichkeit der konservativen Therapie bei milden Formen mit Krankengymnastik, physikalischer Therapie und Schuhzurichtungen. Ist die konservative Therapie ausgereizt, gibt es auch hier die Möglichkeit der operativen Therapie. Die OP-Methoden variieren je nach Ausprägung der Arthrose und Beschwerden.

Gelenkerhaltenden Operationsverfahren bei Hallux rigidus:
Die gelenkerhaltenden Operationsverfahren versuchen die schon eingeschränkte Beweglichkeit des Großzehengrundgelenkes teils wieder zu verbessern, teils die vorhandene Beweglichkeit besser zu nutzen.

Cheilektomie:
Abtragung der Knochenanbauten (Osteophyten) im Bereich des Großzehengrundgelenkes  (Cheilektomie ) und Lösen des Gelenks (Arthrolyse).

Verkürzungsosteotomien (Youngswick):
 Bei Verkürzungsosteotomien des Mittelfußknochens wird durch Verminderung des Druckes im Gelenk und der Sehnenspannung ebenfalls eine Verbesserung der Beweglichkeit erzielt.

 Nicht-gelenkerhaltende Operationsverfahren bei Hallux rigidus:

Arthrodese ( =Gelenkversteifung):
 Ist eine Erhaltung des Gelenkes aufgrund fortgeschrittener degenerativer Veränderungen nicht sinnvoll, besteht die Möglichkeit  zur Arthrodese des Gelenkes (Gelenkversteifung). Die Gelenkanteile (Großzehengrundglied und Mittelfußknochen) des arthrotisch veränderten und zerstörten Gelenk werden in einer Funktionsstellung aufeinandergestellt und  verbunden (Zuggurtung, Schrauben oder Platte), so dass die beiden Knochen dauerhaft miteinander verwachsen. 

Hammerzehe und Krallenzehe

Bei länger bestehenden Krallen- oder Hammerzehen kommt es oft zu einer Luxation im Zehengrundgelenk, dadurch „reitet“ die Zehe auf dem Köpfchen des Mittelfußknochens und übt einen verstärkten Druck auf das Köpfchen aus. Als Folge entstehen verstärkte Hornhautbildungen unter dem entsprechenden Metatarsalköpfchen und Druckschmerzen.

Bei einer Krallenzehe weicht die Zehe im Grundgelenk nach oben ab, in den beiden peripheren Gelenken wird sie krallenförmig nach unten gebeugt. Bei den Hammerzehen handelt es sich um eine isolierte maximale Beugung des Zehs im Endgelenk. An den gebeugten Flächen kommt es zu schmerzhaften Druckstellen, es bilden sich Hühneraugen und Schwielen.

 Operative Therapie

OP nach Hohmann (Resektionsarthroplastik): 

Bei Hammerzehen und Krallenzehen besteht eine fixierte Verformung der Zehen.

Lässt sich das Gelenk nicht mehr schmerzfrei in eine gerade Stellung bringen und bestehen Veränderungen des Gelenks am Röntgenbild, so besteht die Indikation zur Resektionsarthroplastik (OP nach Hohmann) in einer normalen Stellung.

Bei dieser Operationen wird das Grundgliedköpfchen und die Mittelgliedbasis entfernt und die gewünschte Stellung mit einem Draht gehalten. Der Draht wird in Richtung der Zehenlängsachse eingebracht und steht am Ende der Zehe aufgerollt um einige Millimeter über, so dass man ihn 2-3 Wochen nach der Operation wieder herausziehen kann. Häufig wird zusätzlich noch eine Verlängerung der langen Strecksehne durchgeführt.

OP nach Weil:
Die Osteotomie nach Weil bezeichnet ein Operationsverfahren zur Korrektur des schmerzverursachenden Mittelfußköpfchens. Hierbei erfolgt zunächst eine schräge Durchtrennung des betroffenen Mittelfußknochens. Dieser wird dann durch Entfernung einer Knochenscheibe verkürzt und der gelenktragende Anteil fersenwärts verschoben, so dass das Mittelfußköpfchen zurückversetzt wird. Anschließend werden die Knochenanteile in ihrer neuen Position mittels einer kleinen Titanschraube fixiert; diese muss in der Regel nicht entfernt werden und verbleibt im Fuß. Zusätzlich zu der Operation am Mittelfußknochen wird gleichzeitig eine Verlängerung der entsprechenden Strecksehne durchgeführt.

Fersensporn

Der Fersensporn entspricht einem knöchernen Sporn am Fersenbein. Man unterscheidet zwischen einem unteren (plantarer) Fersensporn und einem oberen (dorsaler) Fersensporn.

Plantarer Fersensporn
Der plantare Fersensporn ist im engeren Sinne der im Röntgen sichtbare Kalksporn durch Verkalkung des entzündeten Sehnenansatzes. Ursächlich ist eine Entzündung des Plantarsehnenansatzes (Plantarfasziitis) am Fersenbein. Oft werden die Fersenschmerzen als messerstichartig beschrieben und lassen lediglich ein humpelndes Gehen zu, bei dem nur der vordere Teil des Fußes aufgesetzt wird.

Dorsaler Fersensporn
Der obere Fersensporn ist eine Verkalkung im Bereich des Achillessehnenansatzes. Dieser obere Fersensporn ist im Vergleich zum plantaren Fersenschmerz an der Fußsohle eher selten. Die Schmerzen beim oberen Fersensporn sind sehr genau am Ansatz der Achillessehne lokalisiert.

Therapie
Die akute Behandlung sieht eine lokale Kühlung vor sowie eine Reduktion der sportlichen Belastung, um die wiederkehrenden Mikroverletzungen zu verhindern. Eigenständiges Dehnen hilft hier ebenso weiter. Grundsätzlich empfiehlt sich hier die individuelle Einlagenversorgung und Kräftigung der fußstabilisierenden Muskeln. Weitere Therapiemaßnahmen sind die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT).

Eine operative Therapie ist aufgrund von anschließenden Narbenbeschwerden sehr, sehr selten angezeigt.

Haglund-Exostose
Die Haglund-Exostose ist eine knöcherne Ausziehung der oberen hinteren Ecke des Fersenbeines und häufig mit einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung verbunden. Häufig besteht ein Schuhkonflikt im Bereich der Exostose.

Konservative Therapie
Je nach Stärke der Beschwerden werden zunächst konservative (Physiotherapie, physikalische Therapie, Schuhzurichtung mit Fersenweitung) ergriffen.

Operative Therapie 
Ziel der operativen Therapie ist die Verschmälerung des Fersenbeines. Der hintere Knochenvorsprung wird mit einem Meißel vollständig abgeschlagen und geglättet. Gleichzeitig kann ein entzündeter Schleimbeutel entfernt werden. Die Nachbehandlung sieht eine mehrwöchige Teilbelastung (4-6 Wochen) des betroffenen Beines vor. Manchmal wird eine vorübergehende Gipsbehandlung in Spitzfußstellung (1-3 Wochen) notwendig. Für insgesamt 6 Wochen sollte zur Entspannung der Achillessehne und zum Schutz der Narbe eine Schuhabsatzerhöhung getragen werden.

 Morton-Neurom
Das Morton Neurom verursacht akut einschießende, brennende oder stechende Schmerzen in Mittelfuß und Zehen. Die Schmerzen sind so stark, dass Patienten kurzfristig nur durch Ruhigstellung und Ausziehen der Schuhe Besserung erfahren können.

Die Entstehung ist noch nicht eindeutig geklärt, ursächlich wird überwiegend eine Kompression der Zehennerven (Digitalnerven) zwischen den Köpfchen der Mittelfußknochen angenommen, die zu einer knotenartigen Verdickung des Nerven führt. Das Syndrom tritt meist zwischen dem 3. und 4., seltener zwischen dem 2. und 3. Zehenstrahl auf.

Therapie
Die Behandlung der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Morton-Neuroms. Die Bestimmung der Größe und Lokalisation erfolgt mittels MRT.Hierzu erfolgt über einen Hautschnitt am Fußrücken die Freilegung des Neuroms  zwischen den Mittelfußköpfchen. Zunächst werden der umgebende Schleimbeutel sowie vernarbtes Bindegewebe entfernt. Sofern der Nerv selbst nicht beschädigt ist, wird er belassen; liegen krankhafte Veränderungen vor, wird er ebenfalls entfernt. Als Folge einer Entfernung treten zum Teil Sensibilitätsstörungen im Innenbereich der entsprechenden Zehe auf.

Arthrose des oberen und unteren Sprunggelenkes und des Fußwurzel- bereiches

Die Arthrose der Sprunggelenke oder des Fußwurzelbereiches tritt häufig nach Unfallereignissen auf, jedoch auch im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen oder nach Infektionen. Neben einem typischen Anlauf- und Belastungsschmerz berichten Patienten über eine zunehmende Bewegungseinschränkung sowie Schwellneigung des betroffenen Gelenkes unter Belastung. Neben der Vorgeschichte des Patienten und den entsprechenden klinischen Beschwerden zeigen sich in der Röntgenuntersuchung typische Arthrosezeichen (Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten). 

Konservative Therapie
Die Therapie beginnt mit medikamentösen und physikalischen Maßnahmen. Hier können Einlagen mit Fußbettung aber auch ein Pufferabsatz weiterhelfen, unterstützt durch die Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln und lokal kühlenden Maßnahmen. Ein knöchelübergreifender orthopädischer Schuh rundet die konservative Therapie ab.

Operative Therapie
Sind die Schmerzen im durch die konservativen Maßnahmen nicht mehr beeinflussbar, empfiehlt sich die operative Versorgung. Bei Arthrosen im Bereich des unteren Sprunggelenks und der übrigen Fußwurzelknochen werden die betroffenen Gelenkanteile selektiv mit einer Gelenkversteifung (Arthrodese) behandelt. Bei der Versteifungsoperation ist gleichzeitig auch eine Korrektur einer Fußfehlstellung möglich. Bei einer gleichzeitig bestehenden Arthrose im oberen und unteren Sprunggelenk empfiehlt sich eine Arthrodese beider Gelenke mit einem retrograden Arthrodesenagel.